Freitag, 17. April 2020, 14:00 - Samstag, 18. April 2020, 18:00, Architektenkammer Berlin, Alte Jakobstraße 149, 10969 Berlin

FÄLLT AUS: Radikal Radial - Perspektiven Siedlungsstern

16. Hermann-Henselmann-Kolloquium - 100 Jahre Gross-Berlin

Berlin und sein Umland präsentieren sich heute als Siedlungsstern. Zugleich ist der Siedlungsstern ein Leitbild für die wachsende Metropole im neuen Landesentwicklungsplan für die Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg. Doch das Leitbild hat Tradition: Schon im Wettbewerb Groß-Berlin 1908-10 wurde es angedacht, in der Landesplanung der Weimarer Republik wurde es verfeinert, im Generalbebauungsplan von Albert Speer vergröbert und von den Planern der DDR halbiert und weiterentwickelt. Doch was verbirgt sich hinter diesem Leitbild, was macht den Siedlungsstern aus, woraus bestehen die Siedlungsstrahlen? Als Berlin noch eine kleine Stadt war, zur Mitte des 19. Jahrhunderts, war sie mit anderen Städten und Dörfern durch große Überlandstraßenverbunden, die an den Stadttoren ihren Ausgang nahmen. Diese Straßen wurden während des stürmischen Wachstums von Berlin insbesondere von den 1890er bis 1910er Jahren zu innerstädtischen Radialstraßen. Begleitet und massiv gefördert wurde diese Entwicklung durch den Ausbau des schienengebundenen Vorortverkehrs, dessen Trassen mehr oder minder parallel zu den Radialstraßen verliefen und dessen Bahnhöfe Ansatzpunkte für kleine Stadtteilzentren boten. Das Schienennetz wurde im Laufe der Jahrzehnte weiter ausgebaut, zu den großen vorindustriellen Radialstraßen kamen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aber nur noch wenige neue Hauptstraßenzüge hinzu. Diese Straßen-Schienen-Radialstruktur wurde durch Ringe ergänzt: die Ringbahn, den inneren Autobahn(teil)ring, den (bislang wenig beachteten) äußeren Eisenbahnring und den äußeren Autobahnring. Dieses besondere Ring-Radial-Gerüst spiegelt beides wider: die Tradition des schienengebundenen öffentlichen Verkehrs wie die – kürzere – Tradition der autogerechten Stadtregion. Die Siedlungsstrahlen verloren mit zunehmendem Autoverkehr und dem autogerechten Stadtumbau nach dem Zweiten Weltkrieg ihre metro-polenprägende Kraft. Angesichts der aktuellen Verkehrswende eröffnet sich jedoch die Chance, sie wieder zu beleben, zu festigen und auszubauen, ihre oft vernachlässigten und schlummernden Potenziale zu nutzen: Stärkung von kleinen Zentren, Sanierung und Neubau von Wohnungen, Qualifizierung der Grünkeile zwischen den Siedlungsstrahlen. Dazu kommen die alten und neue Bahnhofsviertel. Doch sindwir auch in der Lage, diese einmalige Chance zu nutzen?

Organisation und Konzeption: Prof. Harald Bodenschatz und Dr. Thomas Flierl

PROGRAMM
FREITAG, 17. APRIL 2020
14.00 Begrüßung: Christine Edmaier (Präsidentin der Architektenkammer Berlin), Dr. Thomas Flierl (Vorsitzender der Hermann-Henselmann-Stiftung) 14.30 Auftakt: Sternmetropole Berlin, Prof. Dr. Harald Bodenschatz (Hermann-Henselmann- Stiftung, AIV, C.E.U.D., CMS, DASL, DWB, SRL)

PROGRAMM FÜR EINEN WACHSENDENSIEDUNGSSTERN
(jeweils 20 Minuten Vortrag, 10 Minuten Nachfragen und Diskussion)
15.00 Moderation: Dr. Thomas Flierl (HHS)
15.30 HHS · Sternenstrahl Ost: Potenziale, Probleme, Vorschläge, Peter Meyer, Andreas Sommerer (mghs architekten und stadtplaner)
16.00 KAFFEEPAUSE
16.30 HHS · Sternenstrahl West: Potenziale, Probleme, Dr. Cordelia Polinna (Hermann-Henselmann-Stiftung, Urban Catalyst)
17.00 Gestaltungsvorschläge für eine «Stadt der zweiten Reihe», Elfi Czaika (Planungsgruppe Werkstadt)
17.30 Achsenentwicklungskonzept Nord-Ost-Raum, Renate Hoff (Gemeinsame Landesplanungsabteilung)
18.00 Perspektiven für einen Regionalpark, Prof. Dr. Harald Kegler (Universität Kassel)

19.00 FESTVORTRAG
«Ost-Berlin und seine Magistralen», Manfred Zache (1977–1990 Leiter der Generalbebauungsplanung und stellv. Chefarchitekt von Ost-Berlin)

18. APRIL 2020 SAMSTAG
BLICK ÜBER DEN RAND DER METROPOLE
10.00 Begrüßung, Einführung und Moderation: Dr. Johanna Sonnenburg (Hermann-Henselmann-Stiftung, Tempelhof Projekt GmbH)
10.30 Greater London: Crossrail und die Renaissance der High Streets, Tobias Gövert (ehemals Design for London), London
11.00 Grand Paris: Große Projekte auf Schienen und Straßen, Laurent Coudroy de Lille (Ecole d´urbains de Paris-Lab`urbal), Paris
11.30 Hamburg und seine Magistralen, Franz-Josef Höing (Oberbaudirektor in der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen der Freien und Hansestadt Hamburg)
12.00 MITTAGSPAUSE
PROGRAMM FÜR EINEN WACHSENDEN SIEDLUNGSSTERN
13.00 Einführung und Moderation: Prof. Dr. Harald Bodenschatz (HHS, AIV, C.E.U.D.)
13:30 AIV: Schinkelwettbewerb 2020 mit Ausblick auf den Internationalen Städtebaulichen Ideenwettbewerb Berlin Brandenburg 2070, Prof. Dr. Markus Tubbesing (Fachhochschule Potsdam)
14.00 Beitrag zivilgesellschaftlicher Initiativen / Initiativenverbund Bundesallee, Christina Kautz (Landschaftsarchitektur)
14.30 Entwicklungsmaßnahme Hauptstadt und Region, Dr. Thomas Flierl (HHS)
15.00 Regionalrat – Instrument der Kooperation von Berlin und Brandenburg,  Volker Hassemer (Stiftung Zukunft Berlin)
15.30 Eine strahlende IBA?, Christine Edmaier (Architektenkammer Berlin)
16.00 KAFFEEPAUSE
AUF DEM WEG ZU EINEM MANIFEST FÜR DIE WACHSENDE METROPOLE
16.30 Vorstellung des Entwurfs eines STERN-Manifests, Moderation: Dr. Thomas Flierl (HHS)
17.00 Diskussion des Manifests, u.a. mit Katrin Lompscher (Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, Land Berlin), Guido Beermann (Minister für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg)
Schlussworte

Eine Veranstaltung der Hermann-Henselmann-Stiftung in Kooperation mit der Achitektenkammer Berlin mit freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung und Helle Panke e.V.

Anmeldung und Informationen unter:
www.hermann-henselmann-stiftung.de

Kosten: 18 Euro / 12 Euro ermäßigt (inkl. Verpflegung)

Wo?

Architektenkammer Berlin
Alte Jakobstraße 149
10969 Berlin