Donnerstag, 4. April 2019, 19:00 - 21:00, Helle Panke e.V. – Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin, Kopenhagener Str. 9, 10437 Berlin

Von Wiking bis Brüderhilfe - Finnland, II.Weltkrieg, die Waffen-SS und heutige Geschichtsnarrative

Extreme Rechte

Auf dem "Hietaniemi"-Friedhof steht ein Gedenkstein der "Bruderhilfe". Die Inschrift besagt: "Für die Freiheit des Vaterlandes in den Jahren 1941-1943 gefallenen, finnischen Freiwilligen in den deutschen Streitkräften zur Erinnerung."

Finnland hatte eine Sonderrolle im Bündnisgefüge Nazideutschlands inne. Als nordischer "Waffenbruder" verweigerte man den Deutschen die Herausgabe der eigenen jüdischen Bürger und die Implementierung antisemitischer Politiken und blieb bis Kriegsende ein demokratischer Staat.
Die komplexe Weltkriegsgeschichte Finnlands wurde in den letzten Jahren vermehrt kritisch reflektiert. Die Theorie eines "Separatkrieges", die "driftwood theory"  und das Verhalten der finnischen Eliten kamen zunehmend in den Fokus einer neuen kritischen Historikergeneration.
Anlass für uns als Bildungsverein, dieser sehr kleinen Geschichte im großen Geschichtspanorama des 2. Weltkrieges und des europäischen Faschismus nachzugehen, ist die Eröffnung der Brauereikneipe "Bryggeri Helsinki" in unser Nachbarschaft im Prenzlauer Berg. Der Geschäftsführer dieser Gaststätte und der gleichnamigen Brauerei ist Vorsitzender des SS-Traditionsvereins "Veljesapu-Perinneyhdistys ry" (Brüderhilfe e. V.) in Finnland.
Die "Bruderhilfe - Traditionsvereinigung" ist eine finnische Hilfs- und Erinnerungsorganisation von ehemaligen Waffen-SS-Mitgliedern. Der eingetragene Verein wurde 1955 gegründet um eine Unterstützung der Waffen-SS-Veteranen zu organisieren, weil diese vom finnischen Staat keine Veteranenrente erhielten. Nach Angaben des Vereins waren in ihm 2018 noch 10 von ursprünglich 302 Waffen-SS-Veteranen am Leben.

Der Vortrag soll Einblicke in die Kriegsgeschichte Finnlands, die Entstehung und Bedeutung der Freiwilligen Waffen-SS-Bataillone und neuen Narrative in der finnischen Geschichtswissenschaft geben.

Referent: Robert Stark, Alumni-Studienstipendiat der RLS, M.A. Judaistik und Holocaust Studien, studierte an der FU Berlin, dem Touro-College Berlin und der Universität Prag. Er lebt im zentralfinnischen Tampere, bereitet eine Promotionsbewerbung in Helsinki vor und beschäftigt sich mit der jüngeren finnischen Geschichte.

Referent: David Kiefer (Berliner Bündnis gegen Rechts) wird über den Besitzer der Brauereikneipe Bryggeri Helsinki in Prenzlauer Berg und ihren Protest dagegen berichten.

Moderation: Fabian Kunow

Kosten: 2,00 Euro

Wo?

Helle Panke e.V. – Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin
Kopenhagener Str. 9
10437 Berlin