Dienstag, 22. November 2016, 19:00 - 21:00, Helle Panke, Kopenhagener Str. 9, 10437 Berlin

Das gespannte Verhältnis von Marx und Engels zur Utopie

Utopia 500 – Utopie(n) gestern, heute, morgen

Wie standen Marx und Engels zur Utopie? Waren sie selbst Utopisten? Haben sie das Utopische nur als Stilmittel verwendet? Wie gestalteten sich ihre eigenen Visionen über die postkapitalistische Gesellschaft? Wurden sie dabei von den Sozialutopien beeinflusst, die sie ja als unwissenschaftlich bezeichneten? Wie und warum haben sie sich gegen diese abgegrenzt? Wie wichtig war diese Abgrenzung für die Herausbildung des Marxismus bzw. des „wissenschaftlichen Sozialismus“?

Danga Vileisis verneint, dass der utopische Sozialismus als Bestandteil einer einheitlichen „in sich geschlossenen“ (Lenin) Entwicklung der Marxschen Theorie zu verstehen ist. Er stelle vielmehr im wirklichen theoretischen Erkenntnisprozess des jungen Marx einen Stolperstein dar. Erst dessen Zurückweisung habe den eigentlichen Durchbruch in der Theoriebildung von Marx mit sich gebracht. Sie wird anhand des vierten Teils (d.) des ersten Kapitels der „Heiligen Familie“ Kritischer Schlacht gegen den französischen Materialismus zeigen, dass Marx’ misslungener Versuch, hier den Sensualismus Feuerbachs mit den utilitaristischen Voraussetzungen der utopisch-sozialistischen Theorien v. a. von Fourier, Owen und Dézamy zu verknüpfen und dies dann „als die logische Basis des Kommunismus“ darzustellen, einen der hauptsächlichen Anlässe für die Entstehung seiner auch selbst-kritischen Notizen ‚ad Feuerbach’ gebildet hat.

Carl-Erich Vollgraf wird Marx und Engels in utopischen Dimensionen nach 1867 beleuchten. Ihm geht es nicht um das kompakte Thema Marx und Engels als Utopisten, und schon gar nicht darum, anhand späterer gesellschaftlicher Praktiken Visionen beider unhistorisch als naiv, irrig oder falsch zu deklassieren. Vielmehr geht es um Äußerungen von Marx und Engels, in denen das Stilmittel der Pointierung sozialer Disharmonien in der kapitalistischen Gesellschaft gepflegt wird. Des Weiteren geht es um die Plausibilität und Stringenz ihrer auch nachgefragten Visionen über die postkapitalistische Gesellschaft, oft in einfacher Antithese zur kapitalistischen Praxis vorgebracht, oder in derber Polemik mit Konkurrenten. Dabei berufen sich Marx und Engels meist auf das „Kapital“ als wissenschaftliche Grundlage, nicht immer auch berechtigt.

ReferentInnen: Danga Vileisis und Dr. sc. Carl-Erich Vollgraf
Moderation: Dr. Alexander Amberger

Eine Veranstaltung der Hellen Panke in Kooperation mit dem Berliner Verein zur Förderung der MEGA-Edition e.V.

Kosten: 2,00 Euro

Wo?

Helle Panke
Kopenhagener Str. 9
10437 Berlin