Montag, 4. Dezember 2023, 19:00 bis 21:00, FMP1, Salon, Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin

Wolfgang Harich zum 100. Geburtstag - Größe und Grenzen

Ein Gespräch über Biografie und Werksgeschichte eines unbequemen Philosophen

Linke Wachstumskritik

Cover des abschließenden Bandes der "Schriften aus dem Nachlass"

Am 9. Dezember 1923 wurde Wolfgang Harich geboren. Er war nicht nur einer der bedeutendsten Philosophen in der DDR, er gilt auch als erster marxistischer Wachstumskritiker Deutschlands, als einer der bekanntesten DDR-Oppositionellen und zugleich als kommunistischer Betonkopf. Um Harich ranken sich viele Mythen und Missverständnisse. Das lag teils an seiner polemischen Art, teils an seinem Anhängern, aber vor allem an seinen Gegnern.
Als Harich 1995 starb, entbrannte ein Streit um sein Erbe. Seine Witwe verbrachte den Nachlass schließlich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in das Sozialarchiv nach Amsterdam und ließ ihn vermeintlich für viele Jahrzehnte sperren. Als der Politologe Andreas Heyer 15 Jahre nach Harichs Tod um Akteneinsicht bat, stellte dies jedoch gar kein Problem dar. Nicht nur zu Lebzeiten, sondern auch danach existierten die Mythen und Missverständnisse also weiter.
Harichs Nachlass spiegelt die linke Denkgeschichte des 20. Jahrhunderts wider, mit all ihren Streitpunkten, Widersprüchen und Diskussionen. Harich setzte sich nicht nur mit Fragen von Leninismus, Stalinismus, Anarchismus, Sozialdemokratie, Revolution und Transformation auseinander, er thematisierte auch Feminismus, Wachstumskritik, Kulturkritik, Fragen des ideengeschichtlichen Erbes und einer antifaschistischen deutschen Kulturgeschichte - inklusive rigider Ablehnung einer linken Aneignung Nietzsches.
Andreas Heyer erkannte bald den ideengeschichtlichen Wert und Umfang des Archivgutes, und vor 10 Jahren gab er den ersten Band der "Schriften aus dem Nachlass Wolfgang Harichs" heraus. Die Buchvorstellung fand am 9. Dezember 2013 im Salon der RLS am FMP1 statt. Ein Jahrzehnt später erscheint der 16. Band (dank mehrerer Teilbände das 20. Buch). Er schließt die Reihe ab und enthält die letzte autobiografische Schrift Harichs. Wir wollen dieses doppelte Jubiläum zum Anlass für einen Rückblick nehmen, einerseits auf das Leben Harichs, andererseits auf die anekdotenreiche Editionsgeschichte.
 
Mit: Dr. Andreas Heyer und Dr. Jörn Schütrumpf
Moderation: Dr. Alexander Amberger

In Kooperation mit dem Historischen Zentrum der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Kosten: 2,00 Euro

Wo?

FMP1, Salon
Franz-Mehring-Platz 1
10243 Berlin