Dienstag, 22. Februar 2022, 19:00 - 21:00, Helle Panke e.V. – Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin, Kopenhagener Str. 9, 10437 Berlin

Zur Generationengeschichte der DDR-Philosophie 1945-1995

Geschichte

Hans-Christoph Rauh: Zur Generationengeschichte der DDR-Philosophie 1945-1995, Vortrag vom 22.2.22

Es gab nicht die eine DDR-Philosophie, sondern Zäsuren, Umbrüche und Zerwürfnisse; vor allem aber einzelne bestimmte philosophische Personen. So musste nach dem Zweiten Weltkrieg auf Lehrkräfte zurückgegriffen werden, die vor und in der Weimarer Zeit bzw. im Exil, Konzentrationslager oder Kriegsgefangenschaft Denken gelernt und praktiziert haben, wozu bis 1948 auch einige "altbürgerliche" Universitäts-Philosophen und bis 1956 auch noch Ernst Bloch in Leipzig und Günther Jacoby in Greifswald gehörten.
Nach dem Krieg wurde zugleich dazu die antifaschistische Gründer- und erste Lehrer-Generation junger SED-Philosophen, späterhin abschätzig als „Kaderphilosophen“ bezeichnet, ausgebildet und eingesetzt, was zumeist gleichzeitig geschah. Ihnen folgte dann durchgehend vorherrschend eine zweite Lehrer- und "Siegergeneration" sowie drittens eine sog. nicht-eigentliche DDR-Schülergeneration, der "ewige Nachwuchs".
Während ihres 40jährigen Bestehens bildete die DDR jährlich neue Philosophiestudenten aus. Während die erste und zweite Generation mit dem Ende der DDR teilweise schon das Renteneintrittsalter erreicht hatte bzw. zumeist vollständig abgewickelt wurde, mussten sich ihre allein gelassenen "Schüler" nach 1990 völlig neu orientieren, was teilweise durchaus bemerkenswert und anhaltend wirkungsvoll gelang.
Die aber vollständig abgeschlossene  DDR-Philosophie wurde selbst zum theoriegeschichtlichen Forschungs- bzw. historisch-kritischen Aufarbeitungsgegenstand und gelangte dadurch zu einem erstaunlichen "philosophischen Nachleben" (Peer Paternack). Ihre historisch-systematische Gesamtdarstellung ist erst noch zu leisten. Der versuchte personen- und generationsgeschichtliche Einblick in deren einhalbhundertjährige Gesamtentwicklung 1945-1995 (nationalgeschichtlich und gesamtdeutsch mit zwei zusätzlichen Zeitfenstern) muß dazu natürlich seine Ergänzung vor allem noch durch eine thematisch-problem- und institutionengeschichtliche Sichtweise erfahren.
Kann man also von einer dreifachen Generationenabfolge sprechen? Wie wäre sie dokumentarisch und personengeschichtlich darstellbar? Und könnte bei dieser Generationenabfolge auch von einer nachkriegszeitlichen, realsozialistischen und dann auch noch postsozialistischen Transformationsabfolge gesprochen werden? 

Referent: Prof. Dr. Hans-Christoph Rauh (arbeitet seit über drei Jahrzehnten zur Geschichte der DDR-Philosophie; Autor und Mitherausgeber zahlreicher Publikationen zum Thema, zuletzt „Personenverzeichnis zur DDR-Philosophie 1945–1995“, De Gruyter, Berlin/New York 2021)

Moderation: Dr. Alexander Amberger

Kosten: 2,00 Euro

Wo?

Helle Panke e.V. – Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin
Kopenhagener Str. 9
10437 Berlin