Dienstag, 13. April 2010, 19:30 bis 21:30, tazcafé, Rudi-Dutschke-Str. 23, 10969 Berlin

Mein Profil gehört mir!?

Reihe "mediatuesday@taz"

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg findet Privatsphäre überholt. Hat er Recht? Einerseits veröffentlichen zunehmend mehr Menschen im Internet Informationen über sich. Andererseits wachsen Kritik und Protest gegen Datenspeicherung und Überwachung – sei es durch Konzerne wie Google oder Regierungen. Wie also sieht die Privatsphäre im 21. Jahrhundert aus?

Es diskutieren:
Christian Heller (Futurist)
Michael Horn (Chaos Computer Club)
Anne Roth (Bloggerin)
Timo Luthmann (mensch.coop)

Moderation:
Julia Seeliger (taz)

In Kooperation mit Linke Medienakademie e.V. und taz Genossenschaft.

Berichterstattung (Jan Maas)

Bei der Kritik am laxen Umgang vieler sozialer Netzwerke mit Nutzerdaten war man sich beim mediatuesday am 13. April weitgehend einig. Lösungen sind allerdings schwerer zu finden. Vorschläge reichten von gesetzlichen Regeln bis zum Aufruf zu einer Datenschutzbewegung

Über 70 Gäste kamen am 13. April ins tazcafé, um auf dem mediatuesday zum Thema „Mein Profil gehört mir!?“ über Privatsphäre und Datenschutz im 21. Jahrhundert zu diskutieren. Eingangs stellte Christian Heller seine Gedanken zur „Post Privacy“ - zur Überwindung der Privatsphäre - vor. Seine Kritik an dem historischen Konzept der Privatsphäre gründet auf der Ansicht, dass damit Intransparenz sowie Eigentums- und Machtverhältnisse geschützt werden. „Eine informiertere Welt ist in den meisten Fällen eine bessere Welt“, sagte er.

Die Bloggerin Anne Roth wies darauf hin, dass der Datenschutz differenziert betrachtet werden müsse. Es komme darauf an, wessen Daten vor wem geschützt werden sollten. So gelte aktuell beispielsweise für Hartz-IV-Empfänger das Bankgeheimnis nicht. Zudem müsse man sich darüber im klaren sein, dass ein soziales Netzwerk wie Facebook als Unternehmen andere Interessen verfolge als seine Nutzer.

Michael Horn vom Chaos Computer Club stellte die Idee des Datenbriefes vor, mit dem mithilfe eines entsprechenden Gesetzes alle Bürger regelmäßig darüber informiert werden könnten, wer welche Daten über sie besitze. Er plädierte für eine Datenschutzbewegung, die analog zur Umweltbewegung ein neues Datenbewusstsein schaffen könne.

Timo Luthmann vom genossenschaftlich organisierten sozialen Netzwerk mensch.coop plädierte für Datenschutz als Selbstschutz besonders für politisch aktive Menschen. Seine Alternative „Dezentrale soziale Netzwerke in der Hand der Leute, das ist unser Ziel.“

In der Diskussion wiesen Gäste darauf hin, dass der Mehrheit der Nutzer das Problembewusstsein fehle, weshalb die Förderung der Medienkompetenz ein zentrales Anliegen sein müsse. Weiterhin wurde darauf hingewiesen, dass Proteste der User innerhalb eines Netzwerks im Zusammenhang mit veränderten Nutzungsbedingungen bei Facebook schon Erfolge gezeigt haben. Ebenso könnten Nutzer nun einen besseren Datenschutz einfordern. Im Verlassen von sozialen Netzwerken sah man mehrheitlich keine Perspektive zur Veränderung.

Einen Mitschnitt der Veranstaltung siehe unter mediathek

Linke Medienakademie e.V., tageszeitung

Kosten: 1,50 Euro

Wo?

tazcafé
Rudi-Dutschke-Str. 23
10969 Berlin