Freitag, 17. Februar 2017, 19:00 bis 21:00 Uhr in Berlin

Was verliert Europa, wenn es Rußland verliert?

Fedor Stepuns Perspektiven auf den Kalten Krieg

Philosophische Gespräche

Der aus Moskau stammende Philosoph Fedor Stepun (1888-1965) lebte seit 1922 als politischer Emigrant in Deutschland. In der russischen Exilpresse wie auch in seiner deutschen Wahlheimat, wo er u.a. als Hochschullehrer wirkte und zu Lebzeiten eine über Fachkreise hinaus öffentlich bekannte Persönlichkeit war, verteidigte der parteilose Intellektuelle, der den Sozialrevolutionären nahestand, die Ideale und Leistungen des Februarrevolution 1917. Anläßlich des einhundertjährigen Jubiläums der russischen Revolution sollen die persönlichen Erlebnisse des ehemaligen Kerenski-Mitarbeiters, dessen Memoirenwerk „Vergangenes und Unvergängliches“ (3 Bd.e, München 1947-50) und eine politische Intervention dieses Sozialisten und Christen im Kalten Krieg vorgestellt werden.
Stepuns Vortrag „Was verliert Europa, wenn es Rußland verliert?“ aus den 1950er Jahren richtete sich an interessierte Deutsche auf der westlichen Seite des Eisernen Vorhangs. Kenntnisreich und pointiert erinnerte der Münchner Professor seine Zuhörer an die über Jahrhunderte gewachsene kulturelle Verbundenheit seiner russischen Heimat mit Deutschland wie auch an die Mitverantwortung des christlichen Westens für das Schicksal Osteuropas. Als einer der wenigen namhaften Intellektuellen der frühen Bundesrepublik widersprach er öffentlich der weitverbreiteten Ansicht, Russland gehöre zu Asien und sei traditionell despotisch, also grundverschieden vom europäischen Westen. Diese bislang wenig beachtete Position aus der Ära Adenauer bekommt durch die aktuelle Konfrontation der EU unter Führung der USA mit Russland eine unerwartete Aktualität.
An publizierten Texten und Redemanuskripten aus dem Nachlass wird untersucht, wie Fedor Stepun nach 1945 über die traditionellen Beziehungen zwischen Russland, Deutschland und Europa dachte – unter Einbeziehung der neuen Weltmacht USA. Daran schließen sich einige Überlegungen zum Spätwerk Stepuns und zur Aktualität seines öffentlichen Engagements in Zeiten ideologischer Konfrontation an.

Referent: Dr. Christian Hufen (geb. 1964 in Weimar, ist freiberuflicher Wissenschaftler, Publizist und Übersetzer. Er lebt und arbeitet in Berlin. Nach Studien zur Malerei der russischen Avantgarde und zum Thema Kunstraub im Zweiten Weltkrieg widmete er sich vor allem der Erforschung von Leben und Werk des russisch-deutschen Philosophen und Publizisten Fedor Stepun. Dazu erschienen eine Monografie, eine kommentierte Auswahl politischer Schriften sowie eine Reihe von Aufsätzen in deutscher und russischer Sprache.)

Kosten: 2,00 Euro

Veranstaltungsort:

Helle Panke
Kopenhagener Str. 9
10437 Berlin
Ladenlokal der Stiftung Helle Panke