Donnerstag, 26. April 2018, 19:00 bis 21:00 Uhr in Berlin

Was ist der Links-Nietzscheanismus? Eine Einführung

Vielfalt sozialistischen Denkens

Die Einschätzungen über Nietzsche von linker Seite könnten unterschiedlicher nicht sein. Gilt er den einen als wichtigster geistiger Ahnherr des Faschismus, halten ihn die anderen für einen zentralen Vordenker kritischer Theorie, einigen gilt er gar für wichtiger als Marx. Nietzsches Denken wirkte etwa inspirierend auf den Feminismus, Anarchismus, Freud, die Frankfurter Schule und den Post-Strukturalismus – aber auch auf die "Konservative Revolution" und die "Neue Rechte".
Interpretieren die einen oder die anderen Nietzsche falsch? Oder lässt sich mit Nietzsche irgendwie einfach alles anstellen? Und wenn das der Fall ist: Was nützt eine solch vage Philosophie für ein linkes Denken heute?
Der Vortrag will sich diesen Fragen widmen und dabei zugleich in Nietzsches Denken sowie seine Rezeptionsgeschichte einführen. Es soll deutlich werden, dass er es war, der zahlreiche, für linke Diskurse bis heute leitende Fragen (wie etwa die nach dem Zusammenhang von Wahrheit und Interesse, nach der Bedeutung der Leiblichkeit, der Brüchigkeit von Identität, der Historizität von Moral), in einer vor ihm nicht dagewesenen Schärfe und Präzision aufwirft. Eine Schärfe freilich, die in der Tat Gewissheiten linken Denkens auch selbst grundlegend in Frage stellt. Nietzsche taugt so sicherlich nicht dazu, Gallionsfigur kommunistischer Schlachtschiffe zu werden – wohl aber dazu, ein klareres Verständnis von den Problemen moderner Gesellschaften und damit auch des Wesens des linken Projekts selbst zu gewinnen.

Referent: Paul Stephan (Studium der Philosophie, Soziologie und Germanistik in Frankfurt am Main und Dublin. Er lebt in Leipzig und promoviert an der Universität Freiburg zum Problem der Authentizität bei Kierkegaard, Stirner und Nietzsche. Daneben arbeitet er insbesondere zu Marx. Eine Monographie zum Thema des Vortrags ist in Arbeit.)
Moderation: Dr. Frank Engster

Kosten: 2,00 Euro

Veranstaltungsort:

Helle Panke e.V. – Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin
Kopenhagener Str. 9
10437 Berlin
Marx 200
Ladenlokal der Stiftung Helle Panke