Montag, 12. Dezember 2016, 19:00 bis 21:00 Uhr in Berlin

Herbert Marcuse, 1968 und der utopische Imperativ

Utopia 500 – Utopie(n) gestern, heute, morgen

Buchcover

Vor bald 50 Jahren leistete der Sozialphilosoph Herbert Marcuse mit seiner Berliner Rede zum "Ende der Utopie" (1967) und seinem "Versuch über die Befreiung" (1969) wichtige Beiträge zur Utopiedebatte. Er versteht Utopisches als Mögliches, das von bestimmten Bedingungen abhängt. Als solche unterscheidet er zum einen objektive Umstände, zum anderen subjektive Bedürfnisse. Dabei sind es die objektiven Faktoren, die für ihn den Begriff der Utopie grundlegend verschieben:
„Die Dynamik der Produktivität beraubt die Utopie ihres traditionellen unwirklichen Gehalts; was als utopisch gebrandmarkt wird, ist nicht mehr das, was keinen Ort hat und im historischen Universum auch keinen haben kann, sondern vielmehr das, was durch die Macht der etablierten Gesellschaften daran gehindert wird, zustande zu kommen.“ (Schriften 8, S. 244).
Auf diese Art Utopie mit Möglichkeit zu übersetzen, verweist auf das Problem ihrer Verwirklichung durch AkteurInnen. Marcuses Frage, die im Vortrag aufgegriffen wird, ist die nach entsprechenden neuen Bedürfnissen: Welche Bedürfnisse, deren Artikulation in Utopien geschieht, drängen zur Einlösung von Utopien?
1974, in seinem Beitrag zu "Theorie und Praxis", bestimmt Marcuse das utopische Fernziel als neue Qualität eines Lebens, das attraktive Arbeit, Sinnlichkeit, Solidarität und Vernunft in sich vereint. „Ziel wäre die Entwicklung des Sozialismus als Fortschritt von der entfremdeten zur schöpferischen Arbeit, von der Naturbeherrschung zur Kooperation, von der Repression zur Emanzipation der Sinne, von der ausbeutenden zur solidarischen Vernunft“ (Schriften 9: 153).
Welche Bedeutung kann Marcuses utopischer Sozialismus für heutige Debatten haben? Lassen sich Bedürfnisse benennen, die zur Aktualisierung utopischen Denkens beitragen können? Darüber wird an diesem Abend vorgetragen und beraten werden.

Referent: Dr. phil. Alexander Neupert-Doppler (geb. 1981, veröffentlichte 2015 sein Buch "Utopie – Vom Roman zur Denkfigur", in dem er eine Konstellation zum Begriff utopischen Bewusstsein entwirft)
Moderation: Dr. Alexander Amberger

Kosten: 2,00 Euro

Veranstaltungsort:

Helle Panke
Kopenhagener Str. 9
10437 Berlin
Ladenlokal der Stiftung Helle Panke