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Heft 219: Revolution gegen Kaiser und Krieg 1918/19

Für demokratische Republik, Frieden und Sozialismus? Teil 1: Zum Platz der Novemberrevolution in der Geschichte

Von: Stefan Bollinger, Klaus Gietinger, Gerhard Engel, Christiane Sternsdorf-Hauck, Dietmar Lange

Heft 219: Revolution gegen Kaiser und Krieg 1918/19

Pankower Vorträge, Heft 219, 2018, 48 S.
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Zum Thema Revolution gegen Kaiser und Krieg fand am 14. April 2018 eine Konferenz der "Hellen Panke" e.V. – Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin statt. Die Konferenzbeiträge erscheinen in 2 Heften.
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Autoren (Heft 219)
Stefan Bollinger,
Dr. sc. phil., Politikwissenschaftler und Historiker, stellv. Vors. der "Hellen Panke" e.V., Berlin

Klaus Gietinger
Autor, Regisseur, Soziologe, Saarbrücken

Gerhard Engel
Prof. Dr. sc. phil., Historiker, Am Mellensee

Christiane Sternsdorf-Hauck
Historikerin, München

Dietmar Lange
Historiker, Berlin
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INHALT

Stefan Bollinger
Revolution gegen Kaiser und Krieg 1918 – Zum Platz in der Geschichte
Vorbemerkungen

Stefan Bollinger
Ohne Kaiser und Generale?
Radikaler Bruch, Frieden, Demokratie – die zwiespältigen Resultate
einer deutschen Revolution

Klaus Gietinger
November 1918 – Der verpasste Frühling des 20. Jahrhunderts
Was verhinderte damals den Frühling?

Gerhard Engel
Potenzen und Grenzen der Räte in der deutschen Revolution 1918/19

Christiane Sternsdorf-Hauck
Frauen in der bayrischen Revolution und Räterepublik 1918/19

Dietmar Lange
Generalstreik und Märzkämpfe in Berlin 1919

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LESEPROBE

Stefan Bollinger
Revolution gegen Kaiser und Krieg 1918 – Zum Platz in der Geschichte
Vorbemerkungen

I.

Das Jahr 1918 markiert in besonderer Weise einen Wendepunkt deutscher Geschichte mit erheblichen Chancen, aber auch versäumten Gelegenheiten. Nach dem Versagen der deutschen Bourgeoisie 1848/49 hatte der wesentlich vom deutschen Kaiserreich mit zu verantwortende imperialistische Weltkrieg die sozialen und politischen Widersprüche im Deutschen Reich zugespitzt. Kriegsmüdigkeit, Mangelversorgung, verschärfte Ausbeutung der Arbeiter und nunmehr auch der immer zahlreicheren Arbeiterinnen, die Sinnlosigkeit des Sterbens an der Front ließen das Land brodeln.

Unter dem Eindruck der Kriegslage, der revolutionären Ereignisse in Russland im Februar und Oktober 1917 wurde die Ablehnung des Krieges und die Suche nach neuen politischen, demokratischen Gestaltungsmöglichkeiten immer drängender. Im April 1917 gab es endlich eine Friedenspartei, die sich notgedrungen von der SPD abgespaltet hatte – die USPD. Im Sommer gab es einen Aufstand in der deutschen Hochseekriegsflotte. Das Reich wurde angesichts der prekären Versorgungslage und der verschärften Ausbeutung in den Unternehmen von Unruhen nicht zuletzt der Frauen erschüttert.

Das Jahr 1918 wurde Schritt um Schritt, beginnend mit den landesweiten Munitionsarbeiterstreiks im Januar, zu einem Jahr der Massenmobilisierung gegen den Krieg, die auch durch die Mehrheitssozialdemokratie nicht eingefangen werden konnte. Die deutsche Linke formierte sich endlich. Mit der Gründung der USPD im Vorjahr, mit der Radikalität des Spartakusbundes und anderer linksradikaler Gruppen, mit der wachsenden Rolle der Revolutionären Obleute wurden Grundlagen dafür gelegt, dass eine konkrete Konstellation aus dem Eingeständnis der unvermeidlichen militärischen Niederlage, dem spontanen Widerstand gegen ein sinnloses Selbstopfern der deutschen Kriegsmarine und die permanente Versorgungskrise zu einer explosiven Melange wurde. Der Frieden mit Russland und die fortgesetzte Unterwerfung von Gebieten im Osten, die verlorenen Schlachten im Westen und der Kriegseintritt der USA mit seinen überlegenen militärischen Potentialen ließen im November 1918 in Deutschland eine Revolution ausbrechen.

Damals wie heute ist der Charakter dieser Revolution umkämpft und umstritten. Ging es "nur" um die demokratische Republik, um eine demokratische Verfassung, soziale Zugeständnisse? Welche Rolle konnte eine Basisdemokratie der Arbeiter- und Soldatenräte spielen, bot sie mehr Gestaltungsmöglichkeiten für die arbeitenden Klassen als die bürgerlich-parlamentarische Demokratie von Nationalversammlung und Reichstag? Oder stand noch mehr auf dem Spiel, sollten auch die Macht und Eigentumsverhältnisse revolutionär, sozialistisch umgewälzt werden, wenn die Arbeiter und Soldaten sowieso schon die "Drecksarbeit" der Revolution machen mussten?

Ebert/Scheidemann oder Liebknecht/Luxemburg waren die scheinbaren Alternativen. Dieser Kampf wurde 1919 entschieden und auch in den folgenden Jahren der Nachkriegskrise nicht mehr revidiert. Eine Weimarer Republik, demokratisch verfasst, mit nicht wenigen links beeinflussten Reformen entstand. Und die Antidemokraten, die dem Kaiser und bald auch dem künftigen Führer nahestanden, sorgten dafür, dass aus dieser Republik eine faschistische Diktatur ganz legal und unter dem wachsamen, aber rechtsblinden Auge des Staatsapparates und seiner Justiz erwachsen konnte.

II.

Diesen Fragen ging im April 1918 eine Konferenz der "Hellen Panke" nach, wohl wissend, dass der Themenkreis weit umrissen ist, dass auch unter Linken die Antworten sehr unterschiedlich ausfallen.[1] Die Ergebnisse dieser Konferenz sind hier in zwei Heften der Reihe "Pankower Vorträge" dokumentiert. Die Texte sind unterschiedlich ausgearbeitet, einige sind die verschrifteten Diskussionsbeiträge, andere die gründliche Überarbeitung dieser Vorträge mit einem Apparat zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema.

Im vorliegenden Heft 219 unternimmt Stefan Bollinger den Versuch einer Einordnung der Novemberrevolution in ihren damaligen Kontext und in die Auseinandersetzung um eine linke und sozialistische Politik in Deutschland. Klaus Gietinger zeigt an der konterrevolutionären Politik der MSPD-Politiker die verhängnisvollen Wirkungen dieses tödlichen Kampfes gegen die radikale Linke für eine demokratische Entwicklung in Deutschland.

In seinem Beitrag wendet sich Gerhard Engel einer der zentralen Fragen der Revolution zu, der Rolle der Arbeiter- und Soldatenräte, die gesellschaftsgestaltende Potenzen hatten, aber letztlich doch freiwillig unter Einwirkung der SPD auf ihre Möglichkeiten zugunsten eines parlamentarischen Weges verzichteten.

Christiane Sternsdorf-Hauck erweitert den Blick auf die Jahre 1918 und 1919 in zweierlei Hinsicht. Sie zeigt, welche herausragende Rolle der politische Kampf in Bayern für die Entwicklung der Ereignisse im ganzen Reich hatte und gleichzeitig erinnert sie daran, dass es nicht zuletzt eine Revolution der Frauen war, denen keineswegs das Frauenwahlrecht geschenkt wurde, sondern die sehr eigene Ansprüche in den Revolutionstagen zum Ausdruck brachten.

Die Darlegungen Dietmar Langes zu Generalstreik und Märzkämpfen 1919 markieren die zeitliche Zäsur in den revolutionären Ereignissen, die erkennen ließ, dass eine "zweite Revolution" wohl zum Scheitern verurteilt war. Er lässt allerdings offen, wie die politischen und sozialen Kämpfe in der revolutionären Nachkriegskrise bis 1923 Politik und Gesellschaft im Deutschen Reich weiter im Atem halten werden.

Im parallel erscheinenden Heft 220 sind diejenigen Beiträge von Marga Voigt, Ottokar Luban, Mario Hesselbarth, Gisela Notz und Vera Bianchi versammelt, die sich einigen der wichtigen parteipolitischen und basisdemokratischen Akteuren zuwenden, ohne die diese Revolution nicht möglich war und deren Stärke respektive Schwäche schließlich deren Schicksal besiegelte.

[1] Einige der Referenten unserer Konferenz sind auch Autoren des von mir mit verantworteten Schwerpunktheftes der Z. Zeitschrift marxistische Erneuerung, H. 115 (2018). Hier wird ein Teil der linken Diskussion ausführlicher abgebildet. Zu verweisen ist auch auf eine kurz vor der Konferenz der "Hellen Panke" stattgefundene Wissenschaftliche Konferenz des Parteivorstandes und der Historischen Kommission der LINKEN unter dem Titel "Epochenbruch 1914–1923. Krieg, Frieden, soziale Revolution" am 24. Februar 2018 in Berlin – die Dokumentation findet sich unter:

https://www.die-linke.de/partei/parteistruktur/kommissionen/historische-kommission/konferenz-epochenbruch-1914-1923/# [23.07.2018 19:12].

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  • Erscheinungsjahr: 2018
  • ID: 69581