Montag, 17. April 2023, 18:00 bis 20:00, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Saal, Straße der Pariser Kommune 8A, 10243 Berlin

Kommunismusforschung heute. Zum Stand der Stalinismusaufarbeitung

Podium mit Irina Scherbakowa, Susanne Schattenberg, Katja Makhotina und Wladislaw Hedeler

Geschichte

Kommunismusforschung heute. Podium mit: Irina Scherbakowa, S. Schattenberg, K. Makhotina, W. Hedeler

Vor 70 Jahren starb Josef Stalin. Das willkürliche und massenhafte Foltern und Morden endete zwar, aber erst mit dem Ende der Sowjetunion wurde es  möglich, mit ZeitzeugInnen und Archiven die Verbrechen dieser Zeit  historisch aufzuarbeiten.
Die Mechanismen des „Großen Terrors“ Ende der 1930er Jahre wurden sichtbar, ebenso politische Hintergründe aus dem Kreml. Und den Millionen Opfern des „Archipel Gulag“ konnten Gesichter gegeben werden. Mit jedem Forschungsergebnis wurde untermauert, dass der Stalinismus verbrecherisch gegen die Menschheit und gegen die Idee des Sozialismus war und keine gesellschaftliche Alternative für die Zukunft darstellen kann.
Im Laufe der letzten drei Jahrzehnte änderte sich in Moskau die Geschichtspolitik. Die historische Rolle Stalins wurde teils relativiert, eine scheuklappenfreie Aufarbeitung ist seit einigen Jahren nicht mehr erwünscht. Erinnerungsinitiativen wie Memorial wurde die Arbeit zunehmend erschwert, Historiker wurden zu „ausländischen Agenten“ gestempelt.
Seit dem 24. Februar 2022 sind sämtliche Wissenschaftskontakte zu Russland gekappt. Der Zugang zu den Archiven hat sich  erheblich erschwert. Russische HistorikerInnen sind nicht nur ihre westeuropäischen Forschungsbeziehungen weggebrochen, sie befinden sich zudem in einer Kriegssituation, die das Sagbare weiter einschränkt. Für westliche Kommunismusforscher ist diese Entwicklung nach der Coronapause der nächste schwere Rückschlag, der die Forschungsarbeit erschwert. In der Ukraine werden durch russische Angriffe wertvolle Archivbestände zerstört. Wie können diese Quellen gesichert werden?

Wir wollen mit drei renommierten Wissenschaftlerinnen über den Stand der Aufarbeitung und mögliche Perspektiven sprechen.
Mit:
- Dr. Irina Scherbakowa, Germanistin und Kulturwissenschaftlerin, Gründungsmitglied von Memorial. Die Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Moskau wurde 2021 in Russland liquidiert und 2022 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Scherbakowa hat nach Kriegsbeginn Russland verlassen.
- Prof. Dr. Susanne Schattenberg, Professorin für Zeitgeschichte und Kultur Osteuropas an der Universität Bremen, Direktorin der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen
- Dr. Katja Makhotina, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Geschichte Osteuropas der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 2015 Promotion zum Thema "Fragmentierte Erinnerungen: Der Zweite Weltkrieg in sowjetischen und postsowjetischen Erinnerungskulturen Litauens".
 
- Moderation: Dr. Wladislaw Hedeler, Historiker

Eine Veranstaltung in Kooperation von Helle Panke, der Rosa-Luxemburg-Stiftung und Berliner Debatte Initial.

Kosten: 2,00 Euro

Wo?

Rosa-Luxemburg-Stiftung, Saal
Straße der Pariser Kommune 8A
10243 Berlin