Samstag, 28. April 2018, 10:00 - 18:00, Berlin

Zur internationalen Dimension des "langen Jahres" 1968

Konferenz

Ausgebucht

Die Linke befand sich in den 1950er und 60er Jahren in einer Phase des Umbruchs und der Neubestimmung. Die klassische Arbeiterbewegung war einerseits durch den NS regelrecht vernichtet, andererseits durch Wohlfahrtsstaat, Keynesianismus und Klassenkompromiss befriedet. Dafür traten ganz neue politische Konflikte und Akteure auf den Plan.
Diese allgemeine Situation des Auf- und Umbruchs kulminierte im langen Jahr '68, das bereits zuvor mit einer Neuausrichtung der Gesellschaftskritik begann und nach 68 das "rote Jahrzehnt" einleitete.
Fünfzig Jahre danach wollen wir insbesondere die internationale Dimension in den Blick nehmen. Es sollen verschiedene Länder behandelt werden, in denen '68 zum Ereignis wurde: USA, Frankreich, Italien und West-Deutschland. Dabei werden zum einen die neuen Formen politischer Praxis und sozialer Kämpfe und zum anderen die Umbrüche in Theorie und Kritik betrachtet. Wir wollen '68 kontextualisieren, um die Überschneidungen wie Differenzen und Ungleichzeitigkeiten hervortreten zu lassen.
Natürlich wird es auch um die Auswirkungen gehen, nicht nur für das "Rote Jahrzehnt", sondern für die Entwicklung der sog. Neuen sozialen Bewegungen, die neuen Formen der Gesellschaftskritik sowie den allgemeinen gesellschaftlichen Wandel, etwa die Rolle von '68 für postfordistische, neoliberale und finanzkapitalistische Restrukturierung, Individualisierung und Flexibilisierung der Gesellschaft.
Mit dem Abstand eines halben Jahrhunderts ist schließlich zu fragen, was von damals reif für die Geschichtsbücher ist bzw. was für heute und morgen noch Geltung haben kann.

Programm:
10:00 Begrüßung
10:15 Prof. Ingrid Gilcher-Holtey: "Revolution der Wahrnehmung"? Leitideen, Mobilisierungsdynamik und Wirkungsmacht der Neuen Linken, New Left, intellektuellen Nouvelle Gauche
11:00 Dr. Stefan Bollinger: Eine Welt im Umbruch. Chancen und Versagen der Linken
12:30 Mittagessen
13:30 Dr. Alexander Neupert-Doppler: "Lebenskunst vs. Spektakel – Die Situationisten im Pariser Mai"
14:10 Prof. Jürgen Pelzer: Public intellectual und Mentor der Neuen Linken. Herbert Marcuses Rolle in den US-amerikanischen Debatten der Sechziger
14:50 Stefania Animento: 1968 und 1969 in Italien: Die Entstehung neuer politischer Subjekte und ihre Dialektik
15:30 Nelli Tügel: 68, die zweite Welle der Frauenbewegung und die Idee des
Hauptwiderspruchs (fällt aus wegen Krankheit)
16:30 Abschlussdiskussion: "Was bedeutet 68 für heutige Politik und (radikale) Kritik?" mit: Kurt Neumann, Jan Schlemermeyer und Anna Stiede, Moderation: Dr. Frank Engster

Begrüßung und Moderation: Dr. Alexander Amberger und Dr. Frank Engster

Im Vorfeld dieser Konferenz hatte unser Vorstandsmitglied Dir Stefan Bollinger einen längeren Ankündigungstext in der Tageszeitung Junge Welt veröffentlicht.

Kosten: 7,50 Euro / erm 4,00 Euro (inkl. Mittagessen)

Wo?

Helle Panke e.V. – Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin
Kopenhagener Str. 9
10437 Berlin