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Heft 247: Warum nur Krieg? Wege zur Friedensfähigkeit

Von: Heinrich Niemann, Christoph Seidler, Christoph Krämer, Gerhard Emil Fuchs-Kittowski, Marianne Linke

Heft 247: Warum nur Krieg? Wege zur Friedensfähigkeit

Reihe "Pankower Vorträge, Nr. 247, 2026, 56 S.

Am 2. November 2024 veranstalteten „Helle Panke“ e.V. und die Rapoport
Gesellschaft e.V. in der Kopenhagener Straße 9 die Tagung „Warum nur Krieg – Wege zur Friedensfähigkeit“. Wir dokumentieren im vorliegenden Heft die Lesung des Arztes und Psychoanalytikers Christoph Seidler aus seinem Buch „Warum nur Krieg“ und die Beiträge von Christoph Krämer, Gerhard Emil Fuchs-Kittowski sowie Dr. Marianne Linke.

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Autorinnen und Autoren

Gerhard Emil Fuchs-Kittowski
Deutscher Friedensrat e. V.

Christoph Krämer
Arzt, Mitglied der deutschen IPPNW-Sektion

Marianne Linke
Dr., habilitierte Agrarmeteorologin, ehemalige Dozentin an der Humboldt-Universität zu Berlin, ehem. Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern

Heinrich Niemann
Dr. med., Facharzt für Sozialmedizin, war in Marzahn-Hellersdorf neun Jahre Gesundheitsstadtrat, Vorsitzender der Rapoport Gesellschaft e.V.

Christoph Seidler
PD Dr. sc. med., Nervenarzt, Psychoanalytiker und Gruppenanalytiker.

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Inhalt


Heinrich Niemann

Warum nur Krieg – eine Einführung                                                       4

Christoph Seidler

Der Ausbruch der Soldatenmatrix                                                          7

Christoph Krämer

Frieden ist möglich, erfordert aber ein Umdenken                             23

Gerhard Emil Fuchs-Kittowski

Krieg oder Frieden – aus der Arbeit des Deutschen

Friedensrat e.V. – Wider die Zerstörung der Vernunft                        36

Marianne Linke

Das Militär wird ausgeklammert. Der größte Zerstörer von

Umwelt und Ressourcen taucht in keiner CO2-Bilanz auf                 51

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LESEPROBE (S. 4-6) 

Heinrich Niemann

Warum nur Krieg – eine Einführung

Mit dem methodischen Ansatz eines Psychoanalytikers sucht und gibt das Buch „Warum nur Krieg“ von Christoph Seidler aufschlussreiche Antworten auf die Fragen, wie Herrschende dazu kommen, ein Volk in Kriege zu treiben, womit sich die Bereitschaft der Menschen erklären lässt, Kriege mitzuführen, nach welchen Strukturen Kriegspropaganda erfolgt, welche gesellschaftlichen, familiären und persönliche Nachwirkungen Kriege noch lange Zeit nach ihrem Ende auslösen. 

Dr. Seidler erläutert dabei als einen zentralen Gedanken das Phänomen und die Struktur der „Soldatenmatrix“, ein Begriff, der von dem israelischen Forscher Robi Friedman formuliert wurde. Er bezeichnet und beschreibt die Mechanismen – und zwar im Grundsatz in allen Staats- und Gesellschaftsformen –, wie Menschen im Moment ihrer Einziehung bzw. Zugehörigkeit zu einer Armee oder zu bewaffneten Kräften die Rolle annehmen, erlernen und auszuüben haben, im Falle einer kriegerischen Auseinandersetzung andere Menschen straffrei und durch die Gesellschaft legitimiert zu töten. Diese Matrix kann eine ganze Gesellschaft dominieren, zu ihr „gehören auch die Delegierer, die Staatsmänner, die professionellen Kriegstreiber, die sensationslüsternen Journalisten, die Väter, die opferbereiten Mütter, die stolzen Bräute, die vielen Mitläufer, alle…“, so Friedman. Das ist vielleicht für manchen Leser und war auch für einige Teilnehmer an der Konferenz ein anderer, ungewöhnlicher und weniger bekannter Zugang zu dieser Lebens- ja Überlebensfrage der menschlichen Gesellschaft.

Christoph Krämer erläutert detailliert die Erkenntnisse und die politischen Forderungen der 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten internationalen Ärzteorganisation IPPNW (Internationale Ärzte zur Verhütung eine Nuklearkrieges), die 1980 im Kalten Krieg auf gemeinsame Initiative amerikanischer und sowjetischer Ärzte als eine blockübergreifende berufsbezogene Anti-Nuklearkriegs-Bewegung zustande gekommen war, wesentlich zur ICAN-Bewegung und zum Atomwaffenverbotsvertrag beigetragen hat und bis heute mit diesem Grundverständnis in über 60 Ländern tätig ist. Dabei geht er auch detailliert auf Forderungen der Deutschen IPPNW-Sektion an die Bundesregierung ein, die die Beendigung des Krieges zwischen Russlands und der Ukraine und des Nah-Ost Konflikts betreffen. Der inzwischen 24. Weltkongress der IPPNW fand im Oktober 2025 in Nagasaki statt.

Gerhard Emil Fuchs-Kittowski schildert das Wirken des Deutschen Friedensrates und des Weltfriedensrates (World Peace Council), in dem verschiedenartige Friedensorganisationen und auch Befreiungsbewegungen aus bis zu 85 Ländern sich regelmäßig treffen. Diese Bewegung hat historische Wurzeln in der Weltfriedensbewegung der 1950er Jahre, für die symbolisch immer noch der „Stockholmer Appell“ von 1950 zur Ächtung der Atombombe steht. Der Friedensrat setzt sich detailliert mit geltenden Friedensabkommen und den internationalen Friedensinitiativen auseinander und versucht, Brücken für Konfliktlösungen zu bauen. Nur ein Beispiel: Er macht entschieden auf die schleichende, öffentlich kaum wahrgenommene Verletzung des sogenannten 2+4-Vertrages durch die Regierung der Bundesrepublik aufmerksam, wonach Deutschland verpflichtet ist, auf dem Gebiet der ehemaligen DDR keinerlei ausländisches Militär, Kernwaffenträger, Kriegsschiffe oder Manöver zuzulassen.

Dr. Marianne Linke setzt sich als politisch erfahrene Agrarwissenschaftlerin mit den Auswirkungen von Krieg und Rüstung auf das Klima und die Umwelt auseinander. Dass der so enorm große Beitrag der Armeen und der Rüstung an den Treibhausgas-Emissionen, v.a. von CO² – er liegt weltweit nach den USA, China und Indien auf dem vierten Platz – weithin unbekannt ist, offiziell nicht erfasst bzw. verschwiegen wird, ist ein nicht hinzunehmender Fakt. Armeen, das Militär sind Ressourcenkiller auf mehrfache Weise: Die schon allein durch die laufende Rüstung stattfindende Vergeudung von Arbeitskraft, Materialien, Energieträgern, Wasser etc., die sinnlose Zerstörung von Ressourcen und die Vernichtung von Menschenleben im Krieg, die erneute Vergeudung, um Zerstörtes wieder aufzubauen und Wunden zu heilen.

Wie ein roter Faden zieht sich durch alle Beiträge die Erkenntnis und politische Position, dass Kriege kein Mittel mehr sind, um auch nur ein Problem der menschlichen Existenz zu lösen. Selbst militärisch erbringen die gegenwärtigen Kriege kaum die erhofften Resultate, außer hunderttausende Tote.  Der Cicero zugesprochene Gedanke, dass der ungerechteste Frieden besser ist als jeder gerechte Krieg, spiegelt sich in dem Standpunkt des Friedensrates, „Es gibt keine gerechten Kriege“ und „Jeder Krieg ist Unrecht“, der sich nicht im Widerspruch zu dem in der UN-Charta, Artikel 50, erlaubten aber doch sehr allgemein definierten Recht auf „Selbstverteidigung“ sieht.

In der insgesamt zustimmenden Diskussion wurden einzelne Fragen ergänzt und vertieft. Die vor allem im Gesellschaftssystem des Kapitalismus begründeten imperialistischen Macht- und Herrschaftsansprüche und die zugrundeliegenden Gesetze des Kapitals dürfen nicht unterbewertet und vergessen werden, wenn es um Ursachen für Kriege geht. So das Votum einiger Teilnehmer.

Dieses umfangreich vorhandene und nicht zu leugnende Wissen über die Gefahren, die Mechanismen und die immer tiefer greifenden Folgen von Kriegen bis zu dem Aberwitz der ernsthaft erwogenen deutschen nuklearen „Kriegstüchtigkeit“ muss jedoch viel stärker unter die Menschen getragen werden, damit ihr Eintreten, ihr Kampf für Frieden eine ebenso starke emotionale wie geistige Grundlage hat. Für diese Aufgabe fühlen sich die Referenten verpflichtet und sehen die von ihnen vertretenen Organisationen ihren wichtigsten Auftrag.

Die Tagung endete mit einem Auftritt des Liedermachers Dr. Hartmut König, der gemeinsam mit Dr. Daniel Rapoport manche TeilnehmerInnen zum Mitsingen mitriss. Die Mitglieder der Rapoport Gesellschaft beschlossen im Anschluss an die Tagung eine Erklärung.[1]

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[1] Die Erklärung der Rapoport Gesellschaft e.V. vom 2.11.24 lautet: „Kriegstüchtig – Nein! Friedensfähig – Ja!“ Auch unsere Tagung „Warum nur Krieg –  Wege zur Friedensfähigkeit“ hat gezeigt: – Die anhaltenden Kriege lösen keinen der dahinterstehenden Konflikte. – Jeder Tag länger bedeutet sinnlose Opfer und Zerstörungen, erschwert ein künftiges friedliches Zusammenleben.
– Deshalb unser Nein zur geplanten Stationierung neuer US-Mittelstreckensysteme in Deutschland und zur Entwicklung eigener Hyperschallwaffen und Marschflugkörper. – Wir fordern von unserer Regierung: Keine Waffenlieferung in Kriegsgebiete, aber verstärkte Bemühungen für diplomatische Lösungen.
https://www.rapoport-gesellschaft.org

  • Preis: 4.00 €
  • Erscheinungsjahr: 2026