Zum Tod von Marlene Vesper (18.7.1932–13.5.2022)

Kurz vor Vollendung ihres 90. Lebensjahres ist unsere Marlene verstorben. Wir möchten der Familie unser herzliches Mitgefühl aussprechen.

Marlene war vor rund 30 Jahren Gründungsmitglied von zwei bemerkenswerten Berliner Vereinen: Der „Hellen Panke“ und vom Solidaritätsdienst International (SODI!). In beiden Vereinen war sie langjähriges Vorstandsmitglied und sie war stellvertretende Kuratoriumsvorsitzende der Hellen Panke.

Marlene war für die Helle Panke von Anfang an wichtig und der Verein war für sie wichtig. Sie war daran beteiligt, dass die Helle Panke von einem Intellektuellen-Verein rasch zu einem anerkannten Diskussionsort der zusammenwachsenden Stadt wurde. Im Vorstand war sie eine zuverlässige, lebenserfahrene und warmherzige Begleitung durch manche Wirrnisse und Neuanfänge.

Wir erinnern uns, unter welchen schwierigen Bedingungen die linke politische Bildungsarbeit der Hellen Panke in Berlin-Pankow begann, wie Marlene im benachbarten Frauentreff in Zusammenarbeit mit dem Demokratischen Frauenbund (dfb) zu Veranstaltungen mit aktueller Thematik einlud. Damals ging es um das Scheitern der DDR, um Arbeitslosigkeit, Frauenrechte und -emanzipation und Orientierung in den neuen sozialen Verhältnissen.

Aber auch die Frage wurde gestellt, wie gehen wir mit Marx und dem Marxismus um. Anlässlich einer solchen Veranstaltung im Juni 1995 konnte Marlene ihr Buch „Marx in Algier“ präsentieren, das unterstützt von der Wuppertaler Marx-Engels-Stiftung im Pahl-Rugenstein Verlag in Bonn erschienen war. Die literarisch-dokumentarische Schilderung von Marx‘ letzter Erholungsreise 1882 begeistert durch Authentizität. Die konnte Marlene aufgrund ihrer eigenen Anschauung in Algier erreichen, wo sie mit ihrem Mann, dem Botschafter der DDR Karl-Heinz Vesper, in den 1970er Jahren gelebt hatte.

Internationale Solidarität war für Marlene tätige Realität. Durch lange Aufenthalte in Südostasien erschloss sie sich nicht nur neue kulturelle Horizonte, sondern lernte auch die sozialen und wirtschaftlichen Hintergründe der von Kolonialherrschaft befreiten Länder kennen. So war es für Marlene nach 1990 selbstverständlich zu den GründerInnen von SODI zu gehören (siehe https://www.sodi.de/unsere-wurzeln) und dessen vielfältigen und weltweiten Projekte zu unterstützen. Die Idee von SODI entsprang auch ganz ihrem Herzen: „Unsere Vision ist die einer gleichberechtigten und friedlichen Welt, in der die natürlichen Lebensgrundlagen nachhaltig genutzt werden, Gemeingüter allen Menschen gleichermaßen zugänglich sind und die Wirtschaft allen Menschen dient.“

Seit 2007 leitete Marlene die „Rendezvous“-Veranstaltungsreihe der Hellen Panke – ein „Forum zur Mitsprache und zum Mittun für alle – nicht nur für Frauen –, die Interesse haben an Literatur, Kunst, Kultur, Musik und Alltagsfragen“. Die Reihe hat sich über 15 Jahre etabliert und Marlene hat weit über 100 Veranstaltungen vorbereitet und moderiert. Nun wird die Reihe von ihrer Tochter, der Journalistin Karlen Vesper, weitergeführt.

Wir danken Marlene für ihr Engagement, ihre Lebensfreude, ihre Ideen, aber auch für ihre Sprache und Stil – all das trug zur Bereicherung der Hellen Panke maßgeblich bei. Sie wird uns fehlen.

Prof. Dr. Rolf Hecker

Berlin, den 24. Mai 2022

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