Der Transhumanismus: Ein Sinnangebot im Überwachungskapitalismus

Referent: Christopher Coenen (wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse in Karlsruhe, ITAS)
Der Transhumanismus: Ein Sinnangebot im Überwachungskapitalismus by Rosa-Luxemburg-Stiftung

In einer Zeit der Verfinsterung legt der Kapitalismus bürgerliche Freiheiten ab wie zu klein gewordene Kinderkleidung, Gesellschaft und Körper dem Profitstreben total unterwerfend. Vor allem in der IT-Industrie agierende Treiber technischen Fortschritts nutzen scheinliberal-individualistische Rechtfertigungen, um neue absolute Herrschaft zu begründen. Die seit 1989 vollends in eine Sinnkrise gestürzten modernen Gesellschaften reagieren darauf, auch unter dem Einfluss altbekannter Krisenverarbeitungsformen, mit Depolitisierung und faschistischer Verblödung. Der Seitensträngen des Sozialismus entstammende Transhumanismus ist, als eine visionäre Weltanschauung, die unsere fragile Körperlichkeit überwinden und die Träume des Space Age verwirklichen will, ein eher kindisches Sinnangebot. Es lässt sich an ihm aber die Korruption fast jeglichen Fortschrittsdenkens in einer technowissenschaftlich überforderten Spätmoderne zeigen. Die Entstellung der im weitesten Sinne sozialdemokratischen Befreiungshoffnungen durch Fähigkeitenfixierung (Ableism) und das Schlürfen süßer Gifte des Überwachungskapitalismus ist von jenen zu kritisieren, die bürgerlichen oder proletarischen progressiven Traditionen anhängen.

Mitschnitt einer Veranstaltung der Hellen Panke in der Reihe „Digitaler Wandel“

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