Warum Google kein guter Nachbar ist

Mitschnitt einer Veranstaltung in der Hellen Panke in der Reihe Metropolenpolitik im SO36

Erin McElroy (San Francisco/Anti-Eviction Mapping Project) Conni Pfeiffer & Stefan Klein (GloReiche/No-Google-Campus) Katalin Gennburg (Sprecherin der Linksfraktion Berlin für Stadtentwicklung, Tourismus, Smart City) Janosch Somer (Counter Campus)

"Das ist ein wichtiger Tag für Berlin", betonte Bürgermeister Michael Müller, als er gemeinsam mit Googles Vize-Chef in Deutschland das Projekt eines "Google Campus für Entrepreneurs" in Kreuzberg vorstellte. Seitdem baut Google das ehemalige Umspannwerk in der Ohlauerstr./Paul-Linke-Ufer in genau dem Teil des Kreuzberger Kiezes um, in dem es in den letzten Jahren stadtweit die höchsten Sprünge bei den Neuvermietungspreisen gab.
Der "Google-Campus" soll, dem IT-Konzern zufolge, Entwicklern, Gründern und Investoren einen Treffpunkt bieten. Es gehe um die Förderung von Unternehmensgründungen durch Ausbildung und Netzwerkarbeit. Ziel ist laut Google, das "Berliner Start-up-Ökosystem" zu fördern. Dass genau dieses gelobte "Start-up Ökosystem" schon jetzt für Verdrängungsdruck auf etablierte Kreuzberger Kultureinrichtungen verantwortlich ist, zeigt die Auseinandersetzung zwischen dem Kreuzberger "Privatclub" und einem der "Internet-Milliardäre" (BZ), dem Rocket-Internet gehört. Dieser hat das frühere Kreuzberger Postamt in der Skalitzer Straße 85 gekauft und versucht nun, den dort ansässigen "Privatclub loszuwerden". Im Gebäude sitzt mittlerweile zudem der "Spielfeld Digital Hub", der von der Kreditkartenfirma VISA und der Unternehmensberatungsgesellschaft Roland Berger gegründet wurde.
Abgeschlossen ist eine solche Verdrängung bereits in einem anderen großen Objekt am Görlitzer Park. In der alten Agfa-Fabrik in der Lohmühlenstraße saßen bis vor kurzem noch kleines Gewerbe, soziale Träger, Kultureinrichtungen und Vereine. Nun entsteht hier die "Factory Görlitzer Park", laut Selbstbezeichnung der "größte europäische Club für Startups", inklusive einer privaten Universität für Programmierer. Auch an der "Factory" ist "Google for Entrepreneurs" beteiligt. Wer sich anschauen möchte, wohin in recht kurzer Zeit solche durch Tech-Firmen und Start-ups angeschobenen Entwicklungen führen können, muss nach San Francisco blicken, genauer gesagt in das nahe gelegene Silicon Valley. Die einstige Stadt der amerikanischen Gegenkulturen, der Schwulen- & Lesbenbewegung(en) und der chinesischen Einwanderer ist zu einem der teuersten Flecken der USA geworden.

Am 16. Mai haben wir im SO36 mit unterschiedlichen Akteur*innen aus Politik und Nachbarschaftsinitiativen darüber gesprochen, was getan werden kann, damit Kreuzberg und Berlin nicht den Weg von San Francisco und Teilen der Londoner Innenstadt geht, wo bereits Arme und Normalverdienende keinen Platz mehr haben.

Podium:
Erin McElroy (San Francisco/Anti-Eviction Mapping Project)
Conni Pfeiffer & Stefan Klein (GloReiche/No-Google-Campus)
Katalin Gennburg (Sprecherin der Linksfraktion Berlin für Stadtentwicklung, Tourismus, Smart City)
Janosch Somer (Counter Campus)
Moderation: Nina Scholz

Marx 200
Ladenlokal der Stiftung Helle Panke