Beginn und Ende der ostdeutschen Philosophie. Teil 1. Prof. Dr. Hans-Christoph Rauh: Einführung

Mitschnitt einer Veranstaltung in der Reihe „Literatur und Gesellschaft" vom 12. Mai 2017

Prof. Dr. Hans-Christoph Rauh

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges entwickelte sich in der Sowjetischen Besatzungszone bzw. jungen DDR eine Philosophielandschaft, die zunächst recht wenig mit der späteren Legitimationswissenschaft zu tun hatte. In dieser Zeit herrschte Aufbaustimmung, getrieben von einer hohen Dynamik, geprägt von unorthodoxen Köpfen. In den ersten Jahren nach dem Kriegsende wurden „bürgerliche“ Philosophen wie z.B . Hans-Georg Gadamer, Paul F. Linke oder Günther Jacoby geduldet, viele jedoch verließen den kleineren Teil Deutschlands.
Die SED versuchte in den 50er Jahren, die Philosophie unter Parteilinie zu stellen, dies glückte zunächst, aber nur bedingt und provozierte vielmehr Diskussionen. Genannt seien nur die Debatten um Hegel und um die Logik, in denen die Intellektuellen ihre Positionen gegen die Partei durchsetzen konnten. Philosophen wie Ernst Bloch oder Wolfgang Harich wollten einen anderen Marxismus als den der SED-„Schmalspurphilosophen“.
1956/57 setzten sich die Dogmatiker unter Ulbricht durch, disziplinierten die kritischen Köpfe, sperrten sie ein, verdrängten sie von den Universitäten und aus den Zeitschriften, beendete die Debatten. Die undogmatische DDR-Philosophie fand schon 33 Jahre vor der DDR ihr Ende.
Die Veranstaltung rekapituliert die Jahre bis 1957 anhand von drei Protagonisten, Ernst Bloch, Wolfgang Harich und Georg Klaus, und erörert die Diskrepanzen mit der Partei und die Denkpotentiale für einen unorthodoxen Marxismus. Hans-Christoph Rauh, der Ideengeber der Veranstaltung, führt in den Abend ein.

Teil 1. Prof. Dr. Hans-Christoph Rauh: Einführung
Teil 2. Dr. Alexander Amberger: Bloch in der DDR – politische Angepasstheit und ideologische Diskrepanz
Teil 3. Dr. Andreas Heyer: Harich – zwischen Nicolai Hartmann und Georg Lukács
Teil 4. Dr. Michael Eckardt: Klaus – Marx, Kant und die Logik

Marx 200
Ladenlokal der Stiftung Helle Panke