30.10.2017

Zum Download: Das Programm November 2017

Liebe Leserinnen und Leser,
im November begehen wir den 100. Jahrestag der Oktoberrevolution. Die Folgewirkungen dieses Ereignisses haben das 20. Jahrhundert geprägt. Die deutsche Revolution von 1918/19 ist nicht zu verstehen, wenn man die russische ignoriert. Allein schon deshalb ist es abwegig so zu tun, als sei das eine erledigte Sache.
Es hat viele Debatten um die Oktoberrevolution gegeben. Wieviel Stalin steckt schon in Lenin? Das ist eine etwas legere Formulierung für die berechtigte Frage nach einem eventuellen Kontinuitätsmoment. Welche alternativen Entwicklungswege gab es für die Sowjetunion, neben dem stalinistischen, tatsächlich? Warum und wodurch konnte eine gewisse Stabilität generiert werden? Aber auch die Frage tauchte immer wieder auf: War das überhaupt eine Revolution oder nicht einfach nur ein Militärputsch? Schließlich: Was für eine Art Sozialismus war das denn? War es überhaupt Sozialismus? Wenn nicht, was dann?
Beeindruckend ist noch heute, welche Fortschritte in den ersten Jahren der Revolution erzielt worden sind. Die Frauenunterdrückung wurde – wenn schon nicht komplett beseitigt – so doch in rechtlicher Hinsicht aufgehoben. Es wurde ein modernes Familienrecht eingeführt und eine – vor allem für damalige Verhältnisse – moderne Sexualpolitik betrieben. Leider ist es auch eine Tatsache, dass viele dieser Errungenschaften unter der Stalin-Ära wieder verschwanden. Wichtig ist auch, dass es den Bolschewiki gelang, in einem der rückständigsten Länder der Erde, beginnend mit der Alphabetisierung, eine moderne Kultur zu etablieren.
Neben derartigen prinzipiellen Fragen ist natürlich auch die im engeren Sinn historische Forschung vorangekommen. Für mich war das Buch von Orlando Figes "Tragödie eines Volkes" von Wichtigkeit, weil es verdeutlichte, wie die ungelöste Landfrage die Revolution radikalisierte. Einer ähnlichen Dynamik folgte später die chinesische Revolution.
Wir werden zu diesen großen Fragen keine abschließenden Antworten geben können. Aber wir begehen den 7. November in aller Feierlichkeit mit einer Oktober-Revue im traditionsreichen SO36. Was wir sonst noch so treiben, steht im Programm.

Dr. Olaf Miemiec
Vorsitzender der Hellen Panke

Marx 200
Ladenlokal der Stiftung Helle Panke