La douce France?

Jean Amérys zweite geistige Heimat zwischen Revolution und ewigem Stillstand

Mitschnitt vom 29. Januar 2013 in der Reihe "Philosophische Gespräche".
Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Institut für Sozialtheorie Bochum e. V.
39:35 min

Referentin: Birte Hewera

Mitarbeiterin an der Arbeitsstelle Kommunikationsgeschichte/Medienkulturen an der FU Berlin, arbeitet an einem Promotionsprojekt zu Jean Améry
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Text der Veranstaltungankündigung:

1966 prognostiziert Michel Foucault, „daß der Mensch verschwindet wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand“. Dass dieser Satz keine Empörung erregt, sondern von einer breiten Anhängerschaft geteilt wird, zeigt, dass sich die von Améry befürchtete Tendenzwende in Frankreich – und nicht nur dort – vollzogen hat: nämlich die Ablösung Sartres, der seit der Nachkriegszeit die intellektuelle Szene Frankreichs geprägt hatte, durch den Strukturalismus. Diese historische Entwicklung, sowie die inhaltliche Bestimmung des Strukturalismus gilt es nachzuvollziehen. Die Bedeutung Jean Amérys ist in diesem Kontext kaum zu überschätzen: Améry ist einer der ersten, die sich in deutscher Sprache einer Kritik am Strukturalismus widmen, lange bevor dieser in Deutschland überhaupt zu großer Bedeutung gelangt. Seine Kritik holt zurück, was der Strukturalismus verleugnet, nämlich die prekäre Leiblichkeit des Menschen. Nicht zuletzt gilt es zu fragen, warum gerade die Linke den Strukturalismus, der doch dem Individuum keinen nennenswerten Platz mehr beimisst, aufgreift und vorantreibt.

Marx 200
Ladenlokal der Stiftung Helle Panke