Call für die Zweite Transformationskonferenz des Instituts für Gesellschaftsanalyse der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Kooperation mit Helle Panke Berlin und der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin»Organische Krise und Transformation. Eine vergleichende historisch-analytische Betrachtung«
Januar 2012
Die Veranstalterinnen und Veranstalter wollen die Tragbarkeit, Reichweite und möglichen Grenzen des Konzepts der »organischen Krise« (Gramsci) mit Blick auf die gegenwärtige Krise des Finanzmarkt-Kapitalismus und frühere große Krisenperioden des Kapitalismus prüfen. Es wird davon ausgegangen, dass eine solche organische Krise die gesamte Periode des Übergangs von einer Akkumulations- und Regulationsweise des Kapitalismus zu einer anderen umfasst. Sie ist durch scharfe ökonomische Einbrüche und harte politische Konflikte gekennzeichnet. In dieser Periode wechseln sich Einzelkrisen und Phasen partieller Stabilisierung oder sogar des Aufschwungs ab. Es ist keine Periode des Niedergangs, sondern des Umbruchs, wo die alte Form der Entwicklung noch nicht abgestorben ist und die neue sich noch nicht auf eigener Grundlage entfaltet hat. Sie birgt ungeheure Gefahren und auch große Chancen. Es kann versucht werden, die Krise durch imperiale Politik nach außen zu wenden oder durch soziale Reformen in eine neue Form innerer Entwicklung zu verwandeln bzw. Beides miteinander zu verbinden. Es hat autoritäre und faschistische Formen der Bearbeitung solcher Krisen gegeben, aber auch die der Demokratisierung und des Sozialstaats.
Die Zweite Transformationskonferenz des Instituts für Gesellschaftsanalyse der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Kooperation mit Helle Panke Berlin und der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin zielt darauf ab, die Eigenarten derartiger organischer Krisen im historisch-analytischen Vergleich genauer zu verstehen und das begriffliche und methodologische Instrumentarium eingreifender Krisenanalyse weiterzuentwickeln, um davon ausgehend Aussagen über die aktuelle Krise des Finanzmarkt-Kapitalismus, mögliche Szenarien ihres Verlaufs und Möglichkeiten emanzipatorisch-solidarischen Eingreifens treffen zu können.
Die Konferenz will analytisch-historisch vier organische Krisen der letzten einhundertvierzig Jahre unter gemeinsamen Fragen vergleichen: Die Große Depression (1873 ff.), die Große Weltwirtschaftskrise (1929 ff.), die Krise des fordistisch-sozialstaatlichen Kapitalismus (1973 ff.) und die gegenwärtige Krise des Finanzmarkt-Kapitalismus. Es soll versucht werden, Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser Krisen aufzudecken und Potentiale weiterer Forschung zu erschließen. Im Zentrum sollte die Frage der jeweils spezifischen Möglichkeiten transformatorischer Politik der Linken stehen, um Schlussfolgerungen für das Verständnis des Verlaufs der jetzigen Krise, möglicher Szenarien ihrer Lösung und einer eingreifenden radikalen Realpolitik der Linken zu ziehen. Es soll auch geprüft werden, ob das Konzept der organischen Krise außerdem auf Umbruchprozesse im sowjetischen Staatssozialismus angewandt werden kann. Es ist ein besonderes Anliegen, zu prüfen, wie der Begriff der organischen Krise auf der Basis der bisherigen Theoriebildung (Marx, Gramsci, Poulantzas, Regulationstheorie etc.) bestimmt werden kann und zu diskutieren, worin die Potentiale und die Grenzen des Konzepts im Vergleich zu anderen, wo Ansätze seiner Weiterentwicklung bestehen.
Die Konferenz wird als dreitägiger größerer Workshop mit Arbeitscharakter (rd. 50 bis 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer) im Sitz der Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin (Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin) stattfinden. Termin ist der 22. bis 24. November 2012. Interessierte, die Beiträge einreichen wollen, werden gebeten, bis 30. April 2012 elektronisch ein Abstract (mindestens 2 Tsd., maximal 6 Tsd. Zeichen) einzureichen an Frau Uta Tackenberg (tackenberg@rosalux.de). Auf dieser Basis werden die Veranstalter bis 31. Mai 2012 entscheiden, welche Hauptbeiträge auf der Konferenz gehalten werden. Die Veranstaltung wird in deutscher Sprache stattfinden. Insgesamt werden nicht mehr als zehn Paper als Hauptbeiträge angenommen, Die Hauptbeiträge müssen bis 30. September 2012 vorliegen, um an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz versandt werden zu können bzw. über die Website der Konferenz bereitgestellt zu werden. Die Papiere können einen Umfang bis zu 60 Tsd. Zeichen haben.
Die Hauptbeiträge sollen darauf abzielen, verschiedene organische Krisen im analytisch-historischen Vergleich zubetrachten, dabei die gegenwärtige Entwicklung einzubeziehen und Schlussfolgerungen für das Verständnis der gegenwärtigen Krise, ihrer Spezifik, ihres möglichen Verlaufs und absehbarer Szenarien zu ziehen. Im Vordergrund sollte die Frage stehen, wie in diesen Krisen Grundverhältnisse kapitaldominierter Gesellschaften umbrechen, sich neue Konfigurationen sozialer, politischer und kultureller Akteure herausbilden und über strategische Weichenstellungen entschieden wird. Die Beiträge sollten sich darauf konzentrieren, exemplarisch übergreifende Gesamtzusammenhänge zu verdeutlichen.
Es geht vor allem um die Aufdeckung und Diskussion übergreifender (organischer) Zusammenhänge. Aspekte einer solchen übergreifenden Analyse könnten vor allem sein:
Für weitere Rückfragen wenden Sie sich bitte an die VeranstalterInnen. Die inhaltliche Koordination haben Michael Brie, Mario Candeias, Judith Dellheim, Günter Krause, Katharina Pühl und Klaus Steinitz. Die organisatorische Koordination erfolgt durch Frau Uta Tackenberg (tackenberg@rosalux.de; 030 44310 438). Bitte wenden Sie sich an diese Adresse, um weitere Informationen zu erhalten.
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