Seit Sommer 2009 ist es dem iranischen Mullahregime trotz verschärften Terrors nicht gelungen, die Oppositionsbewegung einzudämmen. Welchen Einfluss spielen die neuen Medien dabei? Diese Frage stand am Dienstagabend auf einer von der Bildungseinrichtung Helle Panke, der Linken Medienakademie (LiMa) und der »Tageszeitung« (taz) in Berlin organisierten Veranstaltung. Nach einer von der Medienwissenschaftlerin Yalda Zarbakhch vorgestellten Untersuchung steht Iran mit bis zu 35 Prozent Internetnutzern im Nahen Osten an der Spitze. Besonders im letzten Jahrzehnt sei die Zahl der Blogger enorm gestiegen. Der Journalist und Filmemacher Sam T. Fard zweifelte die Verlässlichkeit dieser Zahlen allerdings an. Die Internet- und Blognutzung ist seiner Meinung nach in Iran noch immer ein Elitenprojekt. Fard sieht die Gefahr, dass die internationale Öffentlichkeit von den Inhalten der Blogger auf die gesamte iranische Gesellschaft schließt und damit einen großen Teil vor allem der ärmeren und ländlichen Bevölkerung ausgrenzt.
Sara Dehkordi vom Netzwerk junger Iraner in Berlin hingegen betonte, dass die iranische Oppositionsbewegung ihre Wurzeln in der Arbeiter-, Frauen-, und Studentenbewegung hat. Der Journalist Rüdiger Göbel von der Tageszeitung »junge Welt« kritisierte die seiner Meinung nach unkritische Übernahme der Nachrichten aus dem Internet durch die übrigen Medien. Es bestehe die Gefahr, dass die Hoffnungen der Opposition für bare Münze genommen würden, meint Göbel.
Der Politologe Ali Fathollah-Nejad sieht in der regen Bloggerszene auch Vorteile für die Berichterstattung. Man sei nun nicht mehr auf die Meldungen der großen Presseagenturen angewiesen. Doch auch er betonte, dass der Wahrheitsgehalt der Internetmeldungen journalistisch überprüft und nicht einfach unkritisch übernommen werden dürfe. Schließlich gebe es viele Beispiele für Falschmeldungen durch Blogger, die teilweise ungeprüft ihren Weg in die Massenmedien der übrigen Welt fanden. Fathollah-Nejad hält eher die traditionellen elektronischen Medien nach wie vor für wichtig. So erfreuten sich die per Satellit empfangbaren britischen und US-amerikanischen Nachrichtensendungen von BBC und CNN vor allem bei älteren Iranern großer Beliebtheit. Die Frage aus dem Publikum, ob diese Sender nicht einen größeren Einfluss auf das Geschehen in Iran haben als die Blogger und Internetnutzer, wurde nicht beantwortet. Das Regime zumindest scheint beide Medienarten zu fürchten. Sara Dehkordi berichtete, dass sowohl der Empfang der ausländischen Sender erschwert als auch die Bloggerszene durch neue Gesetze kriminalisiert würden.
Neues Deutschland, 14. 1. 2010
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