Helle Panke Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin

»Wir wollten alles«

In der Berliner Volksbühne gab es eine Rückschau auf die Gründungstagung des Unabhängigen Frauenverbandes der DDR am 3. Dezember 1989. Der Blick nach vorn fehlte

Katja Klüßendorf

Sonntag vormittag, 3. Dezember 1989. Im Großen Saal der Berliner Volksbühne herrscht ausgelassene Stimmung. Mehr als 1200 Frauen sind dem spontanen Aufruf des Initiativkomitees zur Gründung eines autonomen Frauenverbandes der DDR gefolgt, über 200 Kinder toben in den Fluren, auf der Bühne wird gesungen und diskutiert. Die Schauspielerin Walfriede Schmitt, die als Mitglied des Volksbühnenensembles dafür sorgte, daß das Treffen an diesem Ort stattfinden konnte, liest voller Leidenschaft aus dem »Manifest für eine autonome Frauenbewegung« vor: »Ich schlage vor einzutreten für einen modernen Sozialismus auf deutschem Boden in einem gemeinsamen europäischen Haus (...), für ein solidarisches Miteinander aller sozialen Gruppen«. Der Tag endet mit der Gründung des Unabhängigen Frauenverbandes (UFV) der DDR.

Gleicher Ort, 20 Jahre später: Für den vergangenen Sonntag hatte die Rosa-Luxemburg-Stiftung zusammen mit ihrem politischen Bildungsverein Helle Panke und dem in Berlin-Pankow ansässigen Frauenzentrum Paula Panke zu einer Tagung und einem »Fest der Frauen« geladen. »Frauenaufbruch ’89. Was wir wollten. Was wir wurden« lautete das Motto der Veranstaltung.

Katja Klüßendorf

junge Welt, 11.12.2009, S. 15.