Helle Panke Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin

LINKE UND NATION

Klassische Texte zu einer brisanten Frage

Stefan Bollinger

ISBN 978-3-85371-302-0, br., 176 S., 12,90 Euro, Edition Linke Klassiker, Promedia Verlag Wien 2009

Mit Texten von Karl Marx, August Bebel, Rosa Luxemburg, Josef W. Stalin, Wladimir I. Lenin, Antonio Gramsci, Mao Zedong, Otto Bauer, Karl Radek und anderen

Die Linke war und ist stolz darauf, internationalistisch zu sein. Ihr Leitspruch war immer “Proletarier aller Ländern, vereinigt Euch!” Und doch stritten Linke auch darum, ob und wie nationale Befreiungskämpfe zu unterstützen seien, ob die Einheit der Nation auch ihr Anliegen sein dürfe. Mehr als einmal wurden sie überrascht, wenn nationale, ja chauvinistische Parolen Arbeiter und Unterdrücker im Kampf gegen andere Chauvinisten vereinten.

Die Erfahrung von 1989/91 mit dem Untergang des Realsozialismus zwischen Elbe und Kamtschatka hat gezeigt, dass die nationale Karte stärker stechen kann als die soziale. Dabei geht es einerseits um die Erbmasse des Sowjetimperiums, andererseits um ethnisch argumentierte Fliehkräfte in asiatischen Staaten, angefangen bei China. Hier, noch mehr in Afrika und teilweise in Amerika, vermengen sich nationale und vornational-tribalistische Konflikte. Aber selbst in den entwickelteren europäischen Regionen funktionieren alte Feindbilder aus einstigen nationalen Unterwerfungen.

Die Furcht vor der Vereinnahmung von Nation, Vaterland und Heimat durch die Rechte ist ebenso begründet wie entwaffnend. Als Teil eines Kategoriensystems zur wissenschaftlichen Durchdringung des modernen Kapitalismus bleibt die Nation unerlässlich. Als wesentliches Kampffeld im antikapitalistischen und antiimperialistischen Kampf wird sie trotz anderer Angebote, die von der „Region“ über die „Europaidee“ bis zum „Weltbürgertum“ reichen, wichtig bleiben. Jede linke nationale Politik wird sich zwangsläufig gegen Ausgrenzung und Privilegierung wenden, so wie jeder rechter Nationalismus auf genau diese Ausgrenzung und die Privilegierung der eigenen Nation, ihre Vor- und im Extremfall Weltmachtstellung orientiert.

Der vorliegende Band der „Edition linke Klassiker“ bietet eine auch aktuell wichtige Durchsicht linker theoretischer Texte, die sich mit der nationalen Frage beschäftigt haben. Erläuterungen des Herausgebers, Quellenangaben und weiterführende Literaturhinweise machen das Buch zu einer Fundgrube für alle, die in Zeiten von Ethnisierung und nationalen Wahnvorstellungen einen analytisch kühlen Kopf bewahren wollen.

Der Inhalt:

1. Die Linke und die Dauerfragen Nation und Nationalismus - Die Wiederkehr des Nationalismus/Mythos Nation?/Sonderfall Deutschland/Die nationale Frage im Realsozialismus/Die Europäische Union als Ausweg?

2. Klassikertexte - Internationalisten: Karl Marx/Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei + Reden über Polen/Engels: Der magyarische Kampf + Der demokratische Panslawismus/August Bebel: Gegen den Eroberungskrieg + Die parlamentarische Tätigkeit der Sozialdemokratie 1871 bis 1874/Karl Kautsky: Die moderne Nationalität/Rosa Luxemburg: Nationalitätenfrage und Autonomie + Zur russischen Revolution - Verfechter der Selbstbestimmung: Wladimir Lenin: Resolution zur Nationalen Frage + Die Ergebnisse der Diskussion über die Selbstbestimmung + Ursprünglicher Entwurf der Thesen zur nationalen und kolonialen Frage + Zur Frage der Nationalitäten oder der "Autonomisierung" (Brief an den Parteitag)/Josef Stalin: Marxismus und Nationale Frage/Leo Trotzki: Die Internationale Revolution und die Kommunistische Internationale/Antonio Gramsci – Gefängnishefte - Kulturelle Autonomie: Otto Bauer: Die Nationalitätenfrage und die Sozialdemokratie/Karl Renner: Marxismus, Krieg und Internationalismus - Linke Nationalisten: James Connolly: Sozialismus und Nationalismus + Patriotismus und Arbeiterschaft/Ho Chi Minh: Rede über die nationale und koloniale Frage auf dem V. Weltkongreß der Komintern/Mao Zedong: Der Platz der Kommunistischen Partei Chinas im nationalen Krieg/Harry Haywood: Die schwarze Nation - Linke und deutscher Faschismus: Karl Radek: Leo Schlageter, der Wanderer ins Nichts/KPD-Programmerklärung zur nationalen und sozialen Befreiung des deutschen Volkes/Alexander Abusch: Der Irrweg einer Nation/Anton Ackermann: Gibt es einen besonderen deutschen Weg zum Sozialismus?

Kontakt:

Dr. Stefan Bollinger - 0049-30-9375040 - StefanBollinger@aol.com

Promedia Verlag Wien - 0043-285220804 - Fax – 0043-1-9825080 - promedia@mediashop.at

In der gleichen Reihe erschienen von Autoren auch: Imperialismustheorien. Historische Grundlagen für eine aktuelle Kritik und Lenin. Träumer und Realist