Am vergangenen Wochenende hatten der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) und der Bildungsverein Helle Panke zu einer Konferenz unter dem Titel »Das Rote Berlin: Arbeiterwiderstand gegen das Nazi-Regime« ins Haus der Demokratie und Menschenrechte in Berlin geladen. Anwesend waren auch drei Töchter von zum Tode verurteilten Widerstandskämpfern, die sich verdienstvoll um die Würdigung des Berliner Arbeiterwiderstandes heute im öffentlichen Raum bemühen: Anette Neumann, Bärbel-Schindler-Saefkow und Susanne Riveles. Auch der Sohn des von den Nazis ermordeten Ehepaars Hans und Hilde Coppi, Mitglieder der sogenannten Roten Kapelle, war zugegen.
Hans Coppi, Vorsitzender der Berliner VVN-BdA, diskutierte mit Johannes Tuchel, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in der Berliner Stauffenbergstraße, und anderen Wissenschaftlern, ob Arbeiterwiderstand gegen Hitler noch ein Desiderat der Widerstandsforschung sei. Sie konnten auf eine ganze Reihe gewichtiger Publikationen verweisen, darunter Arbeiten von Ursel Hochmuth und Rainer Sandvoß und ein demnächst vorgestelltes zwölfbändiges biografisches Lexikon. Jedoch seien die hier angebotenen Rechercheergebnisse in der Öffentlichkeit so gut wie gar nicht bekannt. In der Schule würden Kinder und Jugendlichen über Arbeiterwiderstand nicht informiert. Beklagt wurde auch, dass dieser selbst an Universitäten und Hochschulen nicht fest in Lehre und Forschung verankert sei. Eine stärkere Verbreitung der bisher vorliegenden Arbeiten sowie deren intensive Fortführung seien nötig.
Das Konferenztableau (vorrangig von Elke Reuter moderiert) widerspiegelte die unterschiedlichen Facetten und die beachtliche Breite des Widerstandes von Arbeiterinnen und Arbeitern gegen Diktatur und Krieg. Die Vorträge der Historiker und Publizisten betonten die Zivilcourage der Menschen, die sich gegen das faschistische Regime, Rassenwahn und Vernichtungskrieg auflehnten.
Marion Goers konnte belegen, dass der Widerstand aus den Reihen des Deutschen Metallarbeiterverbandes (DMV) mannigfaltiger war als bisher angenommen und bis Kriegsende andauerte. Stefan Heinz schilderte, wie der kommunistische Einheitsverband der Metallarbeiter Berlins (EVMB) nach Verbot Ende Februar 1933 bestrebt war, auch unter illegalen Bedingungen aktiv zu bleiben.
Der zweite Block der zweitägigen Konferenz war dem Widerstand in der Kriegszeit gewidmet. Hendrik Weipert informierte, dass neue Forschungen 260 Mitglieder der Gruppe um Robert Uhrig ermittelten - 80 mehr als bisher vermutet. Annette Neumann und Bärbel Schindler-Saefkow berichteten über die Neuorganisation im kommunistschen Widerstand 1943/44.
Den Abschluss bildeten zwei Workshops zum Widerstand von Trotzkisten, Anarchisten, oppositionellen Kommunisten und Sozialisten sowie Aktionen mit und von Zwangsarbeitern. Studenten des Otto-Suhr-Instituts der Freien Universität Berlin trugen selbsterworbene Kenntnisse vor. Das lässt hoffen, dass der Staffelstab in der Forschung und Erinnerung doch weitergereicht wird.
Neues Deutschland, 4.7.2009, S. 20.
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